Das verschwundene Gasthaus

Wer den Beitrag „Aktion Felicitas“ mit Aufmerksamkeit gelesen und sich die in dem Beitrag erwähnte alte Postkarte einmal genauer betrachtet hat, dem wird sicher aufgefallen sein, dass es heute ein direkt an der Agger und in der Nähe der Loopacabana gelegenes historisches Gebäude nicht mehr gibt – die ehemalige Gaststätte „Zum Schloss Ehreshoven“.

Das Gebäude wurde im Mai 2015 abgerissen.

Abriss des Restaurants "Zum Schloss Ehreshoven"

Im Flyer der Biologischen Station Oberberg, welcher im Rahmen des LVR Projektes „Hecke, Hohlweg, Heimat“ entstanden ist, wird das Gebäude wie folgt beschrieben:

„Ein Kellergewölbe mit Bruchsteinen aus der „Steinbreche“ und ein gezimmerter Oberbau aus massivem Eichenholz zeichnen dieses um 1833 errichtete Fachwerkhaus aus – für die damalige Zeit eine sehr aufwändige Bauweise. Schon in der zweiten Hälfte des 19. Jh. war es ein beliebtes Gast- und Rasthaus an der neuen Aggerbrücke. Seit 1927 war es bekannt als Gaststätte „Zum Schloss Ehreshoven“.

Alte Postkarte
Ein Traum von Gastwirt Theo Lenz fand im Jahr 1930 durch den Looper Gemeinschaftssinn seine Erfüllung: Mit Hilfe von 500 m Leitungsdraht und 80 Glühbirnen erstrahlte die 35 m hohe Fichte neben der alten Aggerbrücke als Weihnachtsbaum. Bis er 1939 bei einem starken Sturm zerbrach, war er als „Größter Lichterbaum der Rheinprovinz“ das Wahrzeichen von Loope.

Mehr als 180 Jahre hat dieses Gebäude daher das Ortsbild von Loope entscheidend mit geprägt. Übrig geblieben sind nur noch die massiven Grundmauern, auf denen jetzt ein neues Gebäude errichtet wird.

Wie auf einem Foto von 2008 zu sehen ist, war früher unterhalb des Restaurants ein kleiner Bootssteg, der direkt an die Agger und den Stausee führte.

Bootsanleger am ehemaligen Restaurant "Zum Schloss Ehreshoven"

Dieser ist inzwischen verschwunden, wie auch das Gebäude und einige Bäume.

Agger in Loope mit Baustelle

Vielleicht ist es ja möglich, einen ähnlichen Bootsanleger im Rahmen der Initiative Loopacabana auf der anderen Seite der Agger wieder zu errichten. Er würde sicher zur langen Tradition des Kahnfahrens auf der Agger und dem Stausee passen.

In den vielen Jahren bis zu seinem Abriss hat das Haus schon einiges erlebt.

In der Fernsehserie „Vorfahren gesucht“ ( WDR Köln 14.11.2014 ) spielt das Gebäude als Orientierungshilfe für den Fundort einer Leiche an der Aggerbrücke eine Rolle.
Bei der Suche nach ihren Vorfahren versucht Annette Frier heraus zu finden, wo und warum der Großvater ihres Urgrossvaters Friedrich Wilhelm Wahlefeld am 7.4.1877 an der Aggerbrücke in der Nähe des Gasthofes tot aufgefunden wurde.

Näheres zu der Situtation um 1877 in Loope und Engelskirchen, den Todesumständen und ihrer Familiengeschichte findet man im WDR Archiv unter:

Annette Frier und der Tod in der Agger

Fundstelle des Toten 1877Tod an der Aggerbrücke

Insbesondere ist das in dem Beitrag im Polizeibericht erwähnte Verhältnis von 29 Kneipen bei damals knapp 1300 Bewohnern bemerkenswert.

Seinen letzten großen Auftritt hatte das historische Gebäude in den Monaten vor dem Abriss als es noch einmal als Kulisse für die Fernsehreihe: „Weinberg – Im Nebel des Schweigens“ diente.

Weinberg ist eine abgeschlossene sechsteilige Drama-Serie im Stil eines Psycho-Thrillers.

Zwischenzeitlich wurde das Gebäude unter anderem auch als Pizzeria „Sizilia“ genutzt.
Heute ist dort eine Baustelle.

Altergerechtes Wohnen in Loope

Hier entsteht zur Zeit ein Wohnheim für altersgerechtes Wohnen.

Die künftigen Bewohner werden die Nähe zur Loopacabana mit seinem Freizeitwert sicher zu schätzen wissen.

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